
Zwischen Schmerz und Perspektive
welche Rolle die Hoffnung in der Schmerztherapie spielt
Chronische Schmerzen gelten als komplexe medizinische Herausforderung. Sie betreffen nicht nur das körperliche Empfinden, sondern beeinflussen auch psychische Stabilität, soziale Teilhabe und die allgemeine Lebensqualität. In der Schmerzambulanz der Elisabethinen Graz begegnet das interdisziplinäre Team unter der Leitung von GOA Dr. Michael Kern Patient*innen mit vielfältigen Bedürfnissen und Erwartungen. Dabei spielt Hoffnung eine zentrale Rolle: als Element innerhalb der Therapieplanung, das zur Orientierung beiträgt und die Zusammenarbeit zwischen Behandelnden und Betroffenen unterstützten kann.
Hoffnung als Ressource
Wer mit Schmerzen lebt, bringt nicht nur Symptome mit, sondern auch Hoffnungen, Zweifel und Erwartungen. Patient*innen bringen Erwartungen mit, die aus individuellen Erfahrungen resultieren – oft geprägt von langjährigen Leidenswegen. Diese Erwartungen müssen mit der medizinischen Realität abgeglichen und in tragfähige Therapieziele überführt werden. Die Bewertung von Schmerz erfolgt nicht isoliert, sondern ist abhängig von bio-psycho-sozialen Faktoren. Um Hoffnung auch dann zu fördern, wenn die medizinischen Möglichkeiten begrenzt sind, setzt man in der Schmerzambulanz der Elisabethinen auf realistische Zielsetzungen, die gemeinsam mit den Patient*innen entwickelt werden. „Nicht alle Patient*innen werden per Definition wieder gesund“, erklärt Dr. Michael Kern. „Deshalb ist es entscheidend, auf allen Ebenen zu kommunizieren und die Lebensumstände der Betroffenen umfassend zu berücksichtigen, um realistische Ziele zu schaffen.“ „Es bringt beispielsweise nichts, Medikamente zu verschreiben, die dann nicht eingenommen werden, oder Behandlungswege vorzuschlagen, die für Patient*innen auf Dauer nicht bewältigbar sind“, so Kern. Stattdessen steht der Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses im Vordergrund – durch Kommunikation auf Augenhöhe und eine strukturierte Begleitung vom Ist-Zustand aus. Viele Patient*innen sind es gewohnt, ohne klare Perspektive von einer Einrichtung zur nächsten weitergeleitet zu werden. Hoffnung jedoch ist an ein konkretes Ziel geknüpft. Deshalb werden niederschwellige Informationen bereitgestellt, Orientierung geboten und Stabilität vermittelt. Einrichtungen wie die Schmerzambulanz, die sich als zentrale Anlaufstelle für Patient*innen sieht, bieten daher gerade für Menschen mit chronifizierten Schmerzen, einen großen Vorteil, da sie Kompetenzen und Ressourcen an einem Ort bündeln.
Die aktive Rolle der Patient*innen
Die aktive Einbindung der Betroffenen ist dabei zentraler Bestandteil, wenn es darum geht, Perspektiven zu schaffen und gangbare Wege aufzuzeigen. „Es geht nicht darum, Schmerz vollständig zu eliminieren“, betont Dr. Kern. „Vielmehr steht die funktionelle Verbesserung im Vordergrund – also die Wiederherstellung von Alltagskompetenz, sozialer Teilhabe und beruflichen Perspektiven. Damit das gelingt, müssen die Patient*innen eine aktive Rolle einnehmen.“ In der Schmerzambulanz beispielsweise beginnt jede Behandlung mit einem interdisziplinär geführten, ausführlichen Erstgespräch und einer gründlichen Untersuchung. Darauf aufbauend wird ein individueller Therapieplan erstellt, Behandlungsmethoden werden dabei gezielt miteinander kombiniert – etwa medikamentöse Schmerztherapie, physiotherapeutische Maßnahmen, psychologische Begleitung und sozialarbeiterische Unterstützung. Patient*innen sind immer in den Behandlungspfad miteinbezogen. Verschiedene Module – etwa ein Basisworkshop zum Thema chronischer Schmerz, Einheiten zur Stressbewältigung oder gezielte Bewegungstherapien – ergänzen das therapeutische Angebot. Die konkreten Behandlungsangebote werden innerhalb des interdisziplinären Behandlungsteams entschieden – und zwar immer in Abstimmung mit den Patient*innen.
Perspektiven ...
Damit sich „Hoffnung“ in der Schmerzbehandlung über den bloßen Aphorismus hinaus zu einer tragenden Kraft entwickeln kann, braucht es: Vertrauen, das gemeinsame Formulieren realistischer Ziele – getragen von einem interdisziplinären Team, das auf mehreren Ebenen agiert und mit einem vielfältigen, multimodalen Ansatz arbeitet. Hoffnung kann nur dann entstehen, wenn Patient*innen sich gesehen und ernst genommen fühlen und Fachwissen mit Empathie einhergeht. Für die Zukunft sieht Dr. Kern die Notwendigkeit, präventive Strukturen auszubauen – sowohl im Sinne der Früh- als auch der Sekundärprävention. Chronifizierung sollte durch frühzeitige, niederschwellige Angebote reduziert werden. Darüber hinaus braucht es gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Menschen mit Schmerz nicht weiter an den „Rand“ drängen, sondern integrieren. Denn Schmerz ist mehr als ein Symptom – und verdient mehr als eine Standardlösung.
A. LEEB
Die Schmerzambulanz der Elisabethinen Graz
setzt auf ein eng vernetztes Team aus Fachärzt*innen, Pflegekräften, Psycholog*innen, Physiotherapeut*innen, Diätolog*innen und Sozialarbeiter*innen. Durch diese gebündelte Expertise erhalten Patient*innen alle relevanten Leistungen unter einem Dach – effizient, abgestimmt und aus einer Hand. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem: • Medizinische Leistungen z. B. ärztliches Gespräch, medikamentöse Schmerztherapie, gezielte Infiltrationen, Neuromodulation oder das Einsetzen einer Schmerzpumpe • Pflegeberatung etwa zum Umgang mit Medikamenten, Nebenwirkungen und deren Management • Physiotherapeutische Maßnahmen sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting • Psychologische und psychotherapeutische Begleitung durch gründliche Testung, therapeutische Einheiten, Biofeedback und weitere unterstützende Maßnahmen • Sozialarbeiterische Unterstützung z. B. Hilfe bei Anträgen sowie Beratung zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen
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