
Es wird gut weitergehen
2025 ist ein Jahr der Hoffnung. Es war noch Papst Franziskus, der dieses „Heilige Jahr 2025“ unter das Motto „Pilger der Hoffnung“ gestellt hat. Dieses Leitmotiv hat universelle Züge, denn die Hoffnung ist eine der ureigensten menschlichen Triebfedern. Wenn sie nicht als bloßes Wunschdenken existiert, das die Realität ausblendet, sondern als innere Haltung, kann sie Motivation und Kraftquelle sein, in schwierigen Zeiten durchzuhalten und die Zukunft aktiv zu gestalten. In Bezug auf Ordensgemeinschaften weiß man um die Probleme der Überalterung und der spärlichen Eintritte, was die Konvente vor große Herausforderungen stellt, ihren Ordensauftrag in der Zukunft zu gestalten. Was gibt ihnen Hoffnung? Wir haben bei den Elisabethinen in Linz und Graz nachgefragt.
„Im Gegensatz zum Optimismus schließt Hoffnung die negativen Seiten des Lebens nicht aus. Hoffnung öffnet sich immer für das Kommende und noch nicht Seiende. Das ist meine Auffassung von Hoffnung. Hoffnung speist sich für mich aber auch aus der Erfahrung, und hier hat sich in Bezug auf unsere Gemeinschaft gezeigt, dass es immer wieder sehr herausfordernde Zeiten gab, in denen wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden mussten. Heute können wir uns der Realität nicht entziehen, dass unsere Gemeinschaft immer kleiner wird. Wir haben zwar das große Glück, dass unseren jungen Schwestern unser Ordensauftrag sehr wichtig ist, aber die Tatsache der immer kleiner werdenden Gemeinschaft bleibt. Ich schöpfe Hoffnung aus meiner Erfahrung, dass, wenn man Mitarbeiter*innen das Vertrauen schenkt und sie – auch an Führungspositionen – teilhaben lässt, wir als Elisabethinen den Auftrag, ganzheitlich heilend und frohmachend für die Menschen da zu sein, gut erfüllen und in die Zukunft bringen können. Wenn sich Menschen in ehrlicher Absicht bemühen, in unseren Einrichtungen die Zukunft gemeinsam mit uns als Ordensgemeinschaft zu gestalten, kann auch eine kleine Gemeinschaft den Ordensauftrag erfüllen. Die Ausrichtung bleibt dieselbe, und es wird gut weitergehen, davon bin ich überzeugt.“
Sr. Barbara Lehner, Generaloberin der Elisabethinen Linz-Wien
„Meine Hoffnung ist begründet in der Gewissheit, dass Gott nicht aufhört, Menschen in seine Nachfolge zu rufen. Junge Menschen sind suchend, sie wägen ab, wie sie ihr Leben gestalten und wofür sie sich einsetzen wollen. Meine Erfahrung aus der Berufungspastoral ist, dass unsere jungen Schwestern die Lebensform in der Gemeinschaft mit großer innerer Überzeugung nicht nur gewählt haben, sondern diese auch leben. So sagt z.B. Sr. Helena, unsere jüngste Mitschwester, die im Rahmen ihres Theologiestudiums derzeit ein Auslandssemester in Belgien macht: „Ich liebe Ordensleben wirklich“. Was braucht es dazu, dass ein junger Mensch so etwas aus tiefstem Herzen sagen kann? Das Wichtigste ist, mit den jungen Menschen auf dem Weg in diese Lebensform zu sein, damit sie dem Ihren und dem Sein näher kommen können. Es braucht Weite, Offenheit und auch die Flexibilität der ganzen Gemeinschaft, sich auf Neues einzulassen. Jede junge Schwester hat Fähigkeiten und Begabungen. Diese zu sehen und zu fördern und den jungen Frauen die Freiheit zu geben, herauszufinden, was ihnen entspricht, ist ebenso wichtig wie Vernetzung und Austausch mit anderen jungen Ordensleuten aus anderen Gemeinschaften. Dafür gibt es gute Formate und Möglichkeiten. Freiraum zu geben, schafft persönliche Weite, und die Rückbindung an das Wesentliche im Ordensleben gibt dazu die sichere Basis. Ich bin überzeugt, und die Geschichte hat uns dies auch gezeigt, dass wir auf diese Weise als Ordensgemeinschaft in eine gute Zukunft gehen.“
Sr. Rita Kitzmüller, verantwortlich in der Berufungspastoral und Ordensausbildung der Elisabethinen Linz-Wien
„Im franziskanischen Sinn ist das Thema Zukunft geprägt von Vertrauen, Loslassen und Hoffnung. Schon der Heilige Franziskus gab seinen Ordensbrüdern und -schwestern mit auf den Weg, dass sie sich nicht in erster Linie um das Morgen sorgen sollten, sondern im Vertrauen auf Gott leben sollten. Zukunft ist kein Ziel, sondern ein Weg. Entscheidungen müssen wir täglich treffen. Als Ordensfrau habe ich in meiner Profess mein Ja gegeben, Christus in dieser franziskanischen Haltung nachzufolgen. Dabei stärkt mich die Gewissheit: Gott ist immer da und gibt mir Kraft. In meinem täglichen Tagesrückblick habe ich mir angewöhnt, mir die positiven Dinge des vergangenen Tages in Erinnerung zu rufen. Dabei entdecke ich viele kleine „Wunder des Alltags“. Was mich belastet und niederdrückt, stelle ich diesen positiven Dingen gegenüber und entdecke, dass die positiven Erfahrungen überwiegen. Dieses Bewusstmachen gibt mir Hoffnung. Zu wissen, wo meine Kraftquellen sind, gibt mir Hoffnung. In Beziehung sein mit Gott, mit den Menschen, mit der Schöpfung gibt mir Freude und Hoffnung. Teil der Lisl-Gemeinschaft zu sein – und damit meine ich auch alle, die in unseren Einrichtungen leben und mitarbeiten – gibt mir Hoffnung. Und ich meine auch, dass wir alle berufen sind, unsere Hoffnungen zur Sprache zu bringen.“
Sr. Luzia Reiter, Leiterin des Generationenhauses der Elisabethinen Linz
"Meine Hoffnung für die Zukunft der Ordensgemeinschaft liegt in der gegenseitigen Offenheit zwischen den Generationen. Wir jungen Schwestern bringen neue Perspektiven, Energie und den Mut zur Veränderung mit – doch diese Energie entfaltet erst dann ihre volle Kraft, wenn sie sich mit der Weisheit und Erfahrung unserer älteren Mitschwestern verbindet. Sie sind es, die mit ihrer gelebten Spiritualität, ihrem jahrzehntelangen Wirken und ihrem tiefen Glauben das Fundament unserer Gemeinschaft bilden. Unsere Gründungsschwestern und alle Schwestern vor uns haben gelebt, gewirkt und gebetet – sie sind unsere Wurzeln, aus denen wir schöpfen dürfen. Vergangenheit und Zukunft reichen sich die Hand – getragen von gegenseitigem Vertrauen und dem Wunsch, gemeinsam zu wachsen. Die Offenheit füreinander ist unser Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft. „Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Weitertragung der Glut.“ Diese Glut muss in unserem Herzen brennen – denn nur im Miteinander entfaltet sich das volle Potenzial unserer Berufung.“
Sr. Elisabeth, Novizin bei den Elisabethinen Graz
A. RETSCHITZEGGER
Weiter zum nächsten Artikel >>
<< Zurück zur Übersicht