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Zwischen den Grenzen die Freiheit

Symposium Kaleidoskop Leben

Am 7. Oktober 2025 luden die Elisabethinen in Österreich unter dem Motto „Zwischen den Grenzen die Freiheit“ zu einem Tag der Reflexion und Inspiration ins Musiktheater Linz. Rund 250 Gäste folgten der Einladung, um gemeinsam mit Vortragenden und Diskussionspartner*innen die Dimensionen der Freiheit – gesellschaftlich, persönlich und spirituell – zu erkunden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Freiheit inmitten von Begrenzungen gedacht und gelebt werden kann.​​​​​​​​​​​​​​

Dr. Georg Fraberger, klinischer und Gesundheitspsychologe sowie Autor, eröffnete das Symposium mit seinem Beitrag „Freiheit und Frechheit“. Er zeigte auf, dass Freiheit nicht grenzenlose Selbstbestimmung bedeutet, sondern die Fähigkeit zur Selbstverantwortung und bewussten Gestaltung des Lebens – gerade angesichts innerer und äußerer Einschränkungen. Aus seiner eigenen Lebensgeschichte schöpfend, inspirierte Fraberger dazu, Freiheit und Verantwortung als zwei Seiten derselben menschlichen Stärke zu begreifen. Prof.in Dr.in Isabella Bruckner näherte sich dem Thema aus theologischer und spiritueller Perspektive. Ausgehend vom paulinischen Wort „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5,1) beleuchtete sie, wie christliche Freiheit in unterschiedlichen Epochen verstanden und gelebt wurde. Anhand biblischer Texte und Lebenszeugnisse – von Franz von Assisi über Dietrich Bonhoeffer bis Etty Hillesum – zeigte sie auf, dass Freiheit als Ausdruck von Liebe, Mut zur Umkehr, Freundschaft und Verantwortung verstanden werden.

Zwei Diskussionsrunden vertieften die inhaltlichen Impulse: In der ersten Runde „Erlebte Grenzen und gewonnene Freiheit“ diskutierten Dr. Georg Fraberger, Mag.a Iris Hofer, Leiterin der Justizanstalt Linz, Isabelle Ntumba, Gründerin von Licht am Horizont, und DSA Thomas Wögrath, Leiter des psychosozialen Wohnheims B37, über persönliche und berufliche Erfahrungen mit Begrenzung, Verantwortung und innerer Stärke. Die zweite Runde „Die Freiheit der Generationen“ verband Bildung, Spiritualität und Kunst zu einem lebendigen Dialog. Mitwirkende waren Prof.in Dr.in Isabella Bruckner, Sr. Barbara Lehner, Generaloberin und Geschäftsführerin der Elisabethinen Linz-Wien, Mag.a Sylvia Bäck, Schulleiterin des BRG Fadingerstraße, sowie der junge Literat Tobias Hollinetz. Hier trafen Lebenserfahrung, Glaube und kreative Ausdruckskraft aufeinander – ein Austausch darüber, wie Freiheit in unterschiedlichen Lebensphasen verstanden, gelebt und weitergegeben werden kann.

Ein musikalisches Highlight setzte das Ensemble quarDETTart gemeinsam mit Sängerin Daniela Dett. Ihre genreübergreifende Darbietung – zwischen Klassik und Moderne – wurde selbst zum Ausdruck von Freiheit: Musik, die Grenzen überwindet und neue Räume öffnet. Das Symposium machte deutlich: Zwischen den Grenzen eröffnet sich ein Raum für bewusste Gestaltung – persönlich, gesellschaftlich und spirituell. Doch hinter dem Begriff Freiheit schwingt ein dritter Ton mit – die Hoffnung.

Hoffnung und Freiheit – zwei Begriffe, die eng miteinander verwoben sind, sich gegenseitig reflektieren und doch nicht identisch sind. Hoffnung entsteht oft dort, wo Freiheit eingeschränkt wird. Sie begleitet uns durch Zeiten, in denen Spielräume kleiner werden. Umgekehrt bleibt Freiheit ohne Hoffnung leer, und Hoffnung ohne Freiheit wird zur bloßen Sehnsucht. Gerade heute, in einer Welt, die von globalen Krisen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, zeigt sich, wie zerbrechlich und zugleich kraftvoll diese Beiden sind. Hoffnung ist kein naives „Wird schon werden“, sondern eine bewusste Haltung. Sie wagt den Blick über das Naheliegende hinaus, erkennt Grenzen, benennt sie – und hält dennoch daran fest, dass die Freiheit zu Veränderung gegeben ist.

E. BLOHBERGER

 

Im Linzer Musiktheater erlebten zahlreiche interessierte Gäste unter der Moderation von Michael Etlinger ein inspirierendes Symposium. Für besondere Stimmung sorgte die musikalische Darbietung von QuarDETTart, bei der Daniela Dett mit ihrem Gesang begeisterte.

Zwischen Anspruch und Zumutung: Freiheit leben

Was Freiheit bedeutet, warum sie Verantwortung braucht und wie wir ihr in einer vielfältigen Gesellschaft gerecht werden können – Gedanken von Dr.in Irmgard Griss

Eigentlich hätte sie beim Symposium „Zwischen den Grenzen die Freiheit“ im Oktober in Linz sprechen sollen – doch eine Verletzung verhinderte ihren Auftritt. Umso erfreulicher, dass Dr.in Irmgard Griss nun im Podcast „Kaleidoskop Leben“ zu Wort kam. In einem eindrucksvollen Gespräch mit Sr. Helena Fürst und Michael Etlinger re​​​​​​​flektierte die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs über das Spannungsfeld von Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Griss betont, dass Freiheit ohne Verantwortung zur Willkür verkomme. Wer sich nur auf seine Rechte berufe, ohne deren Auswirkungen auf andere zu bedenken, gefährde nicht nur das Miteinander, sondern letztlich auch die eigene Freiheit. „Freiheit, wenn ich sie wirklich leben will, bedeutet immer, dass ich für mein Leben und auch für das der anderen Verantwortung übernehmen muss“, so Griss. Diese Haltung sei jedoch unbequem – und genau darin liege die Herausforderung. Sie schildert zwei gegenläufige Tendenzen in unserer Gesellschaft: Auf der einen Seite das Streben nach maximaler individueller Freiheit, auf der anderen Seite die Scheu vor der damit verbundenen Verantwortung. In autoritären Systemen wie China, so Griss, empfinden viele Menschen Überwachung sogar als entlastend – weil sie ihnen Verantwortung abnimmt. Doch diese vermeintliche Sicherheit sei trügerisch. Griss warnt vor einer zunehmenden Erosion demokratischer Werte. Das „Recht des Stärkeren“ drohe die „Stärke des Rechts“ zu verdrängen – ein Trend, den sie nicht nur in autoritären Staaten, sondern auch in westlichen Demokratien beobachtet. Die liberale Ordnung, einst als „Ende der Geschichte“ gefeiert, stehe heute unter Druck. Umso wichtiger sei es, sich aktiv für Menschenwürde, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen.

Besonders eindrücklich ist Griss’ Plädoyer für Empathie und Begegnung. Angst vor dem Fremden entstehe oft dort, wo es keine Berührungspunkte gebe. Integration gelinge hingegen am besten, wo persönliche Beziehungen entstehen können, meist in kleinen Gemeinschaften. Initiativen wie Lesepatenschaften oder Sprachförderung für Menschen mit anderer Muttersprache seien nicht nur Ausdruck von Mitmenschlichkeit, sondern auch ein Akt gesellschaftlicher Weitsicht: „Unsere Kinder und Enkelkinder leben mit diesen Menschen. Die gehen nicht weg. Die leben da. Wir brauchen diese Menschen und daher müssen wir alles tun, damit sie Teil unserer Gesellschaft werden.“

Auch die Rolle der Medien und der Umgang mit Desinformation beschäftigen Griss. Sie plädiert für mehr Medienkompetenz, insbesondere bei Kindern, um Manipulationen durch KI-generierte Inhalte oder Falschmeldungen entgegenzuwirken.

 

 

Das gesamte Gespräch mit Dr.in Irmgard Griss können Sie im Podcast „Kaleidoskop Leben“​​​​​​​ nachhören.


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